Entwickeln in Netzwerken (2/4)

by Jens Hoffmann on Montag, 14. September 2009

Die Entwicklung neuer Produkte war auch in der Vergangenheit selten die heroische Einzeltat, als welche wir und die Medien es uns gerne vorstellen. Schon immer waren große Durchbrüche wie z.B. die Entwicklung Glühbirne die Arbeit von Entwicklerteams und eines systematischen Prozesses.

Aktuelle Forschung zeigt jedoch, dass heute nur 27% der Produktideen in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen entstehen. Das Gros der Ideen für neue Produkte und Dienstleistungen entstehen bei Nutzern, im Vertrieb oder im Kundenservice. Diese Potentiale systematisch zu erschließen ist das Ziel der offenen Innovation.

Diese Co-Creation, das gemeinsame Entwickeln mit Kunden, Partner, Lieferanten und Forschungseinrichtung im Rahmen eines offenen Entwicklungsprozesses, ist ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Die Rahmenbedingungen für offene Entwicklungsprozesse haben sich mit der weiten Verbreitung breitbandiger Internetzugänge und kostengünstiger offener Entwicklungswerkzeuge deutlich verbessert.

Noch nie konnten mittelständische Unternehmen so nah am und mit Kunden in aller Welt arbeiten. Auch Forschungskooperationen mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen rücken mit den umfangreich verfügbaren nationalen und europäischen Förderprogrammen in die Reichweite kleiner und mittelständischer Unternehmen.

Jedes Unternehmen muss passend zu seinem Markt, seinen Kunden und seinen Produkten einen eigenen Ansatz entwickeln.

Diese Konzepte der offenen Innovation bewegen sich in folgenden Dimensionen:

  • Der Grad der Offenheit

In dieser Dimension ist zu bestimmen, wie weit das Unternehmen seinen Entwicklungsprozess öffnet: ob die Entwicklung vollständig im Unternehmen stattfindet und dieses vollständig Ergebnis und Prozess bestimmt, oder ob die Entwicklung direkt im Markt oder Communities stattfindet

und das Unternehmen dabei beteiligter Partner ist.

  • Der Grad der Individualisierung des Wertes

In dieser Dimension ist zu entscheiden, wie weit individualisierte Lösungen und Produkte im Rahmen des Co-Creation-Prozesses produziert werden sollen. Der Ausgestaltungsspielraum reicht von klassischen standardisierten Produkten, die zusammen mit Partner oder ausgewählten Nutzern

entwickelt werden, bis hin zu individuell auf den jeweiligen Kunden zugeschnittenen Produkten wie sie z.B. in der LEGO Factory produziert werden können.

Erste Erfahrungen in der Implementierung von Konzepten offener Innovation von LEGO, über Adidas bis hin zu Amazon.com, zeigen dass sie einen umfassenden Wandel der Unternehmenskultur, der Markenführung, häufig ein neues Geschäftsmodell sowie einen veränderten Entwicklungsprozess erfordern.

Dieser Artikel ist Teil eine vierteiligen Serie zum Thema “Produktentwicklung in stürmischen Zeiten”. Lesen Sie auch die anderen Artikel dieser Reihe:

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